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Kardonen-Gratin mit Béchamel und Parmesan

Kardonen-Gemüse, überbacken mit Béchamelsoße und Parmesan.

Portionen: 4 Kochzeit 60 Min. Beilagen
VegetarischEnthält: Gluten, Milch
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Zutaten

Kardonen-Gratin mit Béchamel und Parmesan — zutaten: Kardonen, Parmesan, Butter, Paniermehl, Salz, Zitronensaft

Zubereitung

  1. Zu lange Kardonen-Stangen halbieren und mit einem Messer die harten Fasern entfernen.

  2. Kardonen in Streifen schneiden und in Wasser mit etwas Zitronensaft kochen.

    45 Min.
  3. Die Béchamelsoße zubereiten.

  4. Eine Auflaufform mit Butter einfetten und eine erste Schicht Béchamelsoße hineingeben.

  5. Die erste Schicht Kardonen auf den Boden geben, mit der Hälfte des Parmesans bestreuen und mit der Hälfte der Béchamelsoße übergießen.

  6. Eine zweite Schicht Kardonen, Parmesan und Béchamelsoße hinzufügen und wiederholen, bis die Zutaten aufgebraucht sind.

  7. Oben mit Paniermehl bestreuen.

  8. Bei 200 Grad backen.

    40 Min.

Kardonen sind diese langen, grau-grünen Stangen, die aussehen wie ein Selleriebund, der im Fitnessstudio war. Verwandt mit der Artischocke, und das schmeckt man auch: ein bisschen bitter, ein bisschen nussig, mit einer Faserigkeit, die roh wehtut und gekocht butterzart wird. Genau darum dreht sich das ganze Rezept: um Fasern, die weg müssen, und um eine Zartheit, die man erst erkochen muss, bevor man sie unter Béchamel und Käse verstecken darf.

Deshalb beginnt alles mit dem Messer, nicht mit dem Topf. Die äußere Haut der Stange ist durchzogen von Fäden wie bei Rhabarber oder Stangensellerie, nur gröber. Lässt man sie drin, hat man am Ende ein Gratin, das man kaut statt löffelt, und die ganze Mühe mit Béchamel und Ofen war für die Katz. Also: Fasern abziehen, bis die Stange glatt und leicht glänzend ist. Das ist keine Schönheitsoperation, das ist die Voraussetzung dafür, dass das Gemüse überhaupt essbar wird.

Danach kommt das Kochen, und hier hält sich ein Irrglaube hartnäckig: manche sagen, Gemüse im Wasser sei immer gleich fertig, Hauptsache es köchelt lange genug. Aber nein, denn Kardonen oxidieren und werden grau-braun wie ein angeschnittener Apfel, sobald sie Luft und Hitze treffen, und sie brauchen Säure, um hell und mild zu bleiben. Der Zitronensaft im Kochwasser ist also kein Dekor, sondern Korrosionsschutz fürs Gemüse. Gar sind sie, wenn sich die Streifen biegen lassen wie ein nasser Pappstreifen, nicht brechen wie ein trockener Zweig – die 45 Minuten sind die Untergrenze, bei der man das zum ersten Mal prüfen sollte, nicht die Zielmarke.

Zur Béchamel selbst sage ich nichts Neues: Mehlschwitze mit Butter, Milch dazu, bis sie sämig ist, mit Salz würzen. Wer sie zu dünn macht, bekommt am Ende eine Suppe statt ein Gratin, denn die Sauce muss im Ofen noch Flüssigkeit aus dem Gemüse aufnehmen können, ohne zu versumpfen. Lieber einen Tick dicker kochen als zu dünn, das federt spätere Fehler ab.

Parmesan bringt Salz und diese leicht körnige, nussige Schärfe, die zur milden Bitterkeit der Kardonen passt wie ein Gegenpart im Gespräch. Das Kriterium für einen Ersatz ist: ein alter, trockener, salziger Hartkäse, der beim Reiben krümelt statt zu kleben. Ein lange gereifter Bergkäse oder ein trockener Gouda können das leisten, wenn kein Parmesan im Haus ist – Hauptsache, der Käse hat genug Reife, um Charakter zu haben, sonst verschwindet er einfach in der Béchamel.

Das Paniermehl oben ist reine Physik: trockene Oberfläche plus heiße Luft gleich Kruste. Hat man keines da, tut es jedes trockene, feine Brot, gerieben oder zerkrümelt – in einer deutschen Küche mit dem Brot vom Vortag kein Problem, das ist fast schon der eigentliche Grund, warum Brotkrümel historisch überhaupt in Gratins landen: nichts wegwerfen, was noch knusprig werden kann.

Die 200 Grad im Ofen sind der Punkt, an dem die Oberfläche bräunt, während das Innere nur noch durchwärmt werden muss, es ist ja alles schon gar. Ein normaler Haushaltsofen schwankt dabei gern mal zehn, fünfzehn Grad in beide Richtungen, das ist keine Katastrophe, aber ein Grund, nicht stur auf die 40 Minuten zu starren, sondern auf die Farbe: wenn die Kruste goldbraun ist und an den Rändern leicht blubbert, ist es fertig, keine Sekunde früher aus Ungeduld, keine Minute länger aus Angst, es könnte nicht reichen.

Zitronensaft braucht man nicht literweise, ein paar Spritzer ins Kochwasser reichen, das ist kein Zitronengericht. Und Salz würzt man in zwei Phasen, einmal im Kochwasser fürs Gemüse, einmal in der Béchamel – vergisst man eine der beiden, schmeckt am Ende alles fad, obwohl beide Teile für sich okay waren, das ist der eigentliche Fehler hinter „es ist zu wenig gewürzt“: nicht zu wenig Salz insgesamt, sondern am falschen Ort gespart.

Für vier Personen als Beilage ist das ordentlich bemessen, in Deutschland landet es wohl eher neben Kartoffeln oder einem Stück Fleisch als allein auf dem Teller, und das passt gut, denn Kardonen sind mild genug, um nicht zu dominieren. Geduld ist hier die eigentlich entscheidende Zutat: wer die Fasern hastig entfernt oder das Gemüse zu früh aus dem Wasser holt, weil die Uhr eine runde Zahl zeigt, bekommt ein zähes, fast ungenießbares Gratin – und das hat mit dem Rezept nichts zu tun, sondern mit der Abkürzung.

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