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Gebackener Spitzkohl

Spitzkohlviertel im Ofen gebacken, mit Parmesan, Thymian und Butter – eine einfache, würzige Beilage.

Portionen: 4 Vorbereitung 10 Min. Kochzeit 18 Min. Beilagen
VegetarischEnthält: Milch
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Zutaten

Zubereitung

  1. Die Kohlviertel in eine hitzebeständige Form legen. Mit geschmolzener Butter bestreichen und mit Parmesan, Thymian, Salz und Pfeffer bestreuen.

  2. Den Kohl im vorgeheizten Ofen bei 175 Grad mit Umluft etwa 15-20 Minuten backen.

    18 Min.

Spitzkohl ist der unterschätzte Cousin vom Weißkohl: fester, süßer, mit weniger Wasser in den Blättern. Genau das macht ihn fürs Backen interessant. Man schneidet ihn in Viertel statt in Streifen, und der Strunk hält die Schichten zusammen wie eine Klammer – wer den rausschneidet, bekommt am Ende einen Haufen einzelner Blätter statt eines Gemüses, das man mit der Gabel anheben kann.

Das Prinzip dahinter ist simpel: Butter und Käse von außen, Hitze von oben und unten, und der Kohl gart in seinem eigenen Dampf, während die Oberfläche bräunt. Das ist kein Dünsten, kein Kochen – es ist eine Mischung aus beidem, bei der die äußeren Blätter Röststoffe bilden, während das Innere noch bissfest bleibt. Manche sagen, Kohl müsse man vorkochen, bevor er in den Ofen kommt, aber nein, denn Spitzkohl ist dünn genug, dass die Ofenhitze ihn in der Zeit, die der Käse zum Bräunen braucht, auch im Kern gar bekommt. Vorkochen würde nur Wasser reinbringen, das dann wieder raus muss – unnötige Arbeit.

Was „fertig“ heißt, sieht man an zwei Dingen gleichzeitig: Der Käse ist nicht mehr nur geschmolzen, sondern hat da und dort kleine braune Flecken – das ist der Moment, in dem er anfängt, nussig statt nur salzig zu schmecken. Und ein Messer geht durch den Strunk, ohne dass man drücken muss, aber die äußeren Blätter dürfen ruhig noch ein bisschen Biss haben. Die Zeit im Rezept ist die Untergrenze, kein Zieltermin – wer die Form zehn Minuten später aus dem Ofen holt, weil der Käse noch blass war, hat nichts falsch gemacht.

Beim Spitzkohl selbst zählt vor allem eins: das Gewicht in der Hand im Verhältnis zur Größe. Ein Kopf, der sich schwer anfühlt für seine Größe, hat dicht sitzende Blätter und wenig Luft dazwischen – das ist der, den man will, weil er beim Backen nicht in sich zusammenfällt. Die äußeren Blätter dürfen ruhig ein paar lose Stellen haben, das ist normal, kein Zeichen von Alter. Hat man keinen Spitzkohl zur Hand, ist das Kriterium für Ersatz: ein Kohl mit zarten, nicht zu wasserreichen Blättern, der sich in Viertel schneiden lässt, ohne auseinanderzufallen. Ein junger, kleiner Weißkohl funktioniert so, Wirsing auch – der bringt sogar noch mehr Aroma mit, weil seine krausen Blätter mehr Oberfläche für Käse und Butter bieten.

Der Parmesan hier ist kein Garnitur-Gag, sondern die Salzquelle und der Grund, warum die Oberfläche überhaupt bräunt – reiner Milchzucker und Eiweiß, die bei Hitze karamellisieren. Frisch gerieben deshalb, weil fertig geriebener Käse oft mit Stärke gemischt ist, damit er nicht verklumpt, und diese Stärke bräunt anders, meist fahler. Wer keinen Parmesan hat: das Kriterium ist ein hart gereifter, salziger Käse mit wenig Wasseranteil. Grana Padano geht genauso gut, ein gereifter Bergkäse notfalls auch, nur milder im Abgang.

Thymian frisch gehackt bringt ätherische Öle, die sich erst beim Erhitzen richtig entfalten – getrockneter Thymian ist da ein müder Verwandter, er schmeckt eher staubig als würzig. Hat man keinen frischen zur Hand, nimmt man die halbe Menge getrockneten und reibt ihn zwischen den Fingern, bevor er in die Form kommt – das bricht die Zellen auf und gibt wenigstens etwas von dem Aroma frei. Rosmarin wäre ein Ersatz mit ähnlichem Harzcharakter, aber kräftiger, also sparsamer dosieren.

Die geschmolzene Butter ist der Transportweg für Geschmack und zugleich die Fettschicht, die verhindert, dass der Käse direkt auf dem Kohl verbrennt, bevor der Kohl selbst gar ist. Wer Butter durch Öl ersetzt, verliert nichts Dramatisches, nur die milchigen Röstnoten, die Butter typisch machen – ein gutes Olivenöl bringt dafür seine eigenen mit, das ist kein Tausch nach unten, nur ein anderer.

Die Form sollte hitzebeständig und nicht zu groß sein – zu viel Platz um den Kohl herum bedeutet, dass die Feuchtigkeit, die beim Backen austritt, einfach verdampft statt den Kohl von unten mitzugaren. Das bisschen Butter für die Form ist kein Schönheitsdetail, sondern verhindert, dass der untere Rand festklebt und beim Rausholen hängen bleibt, statt sich sauber zu lösen.

Ein normaler Haushaltsofen mit Umluft heizt selten so gleichmäßig, wie die Zahl auf dem Display suggeriert – wer eine Form eher im unteren Drittel platziert, bekommt mehr Unterhitze und damit einen weicheren Kern, wer sie weiter oben lässt, mehr Bräune auf dem Käse zuerst. Das ist kein Fehler im Rezept, das ist der Ofen, und deshalb lohnt sich in der letzten Minute ein Blick statt ein Blick auf die Uhr. Geduld ist hier die eigentliche Zutat: der Unterschied zwischen einem Kohl, der nach zwölf Minuten blass aus dem Ofen kommt, und einem, der nach achtzehn Minuten wirklich fertig ist, liegt meistens nur daran, dass jemand zu früh ungeduldig wurde.

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